Definition des impliziten Lernens
Der Begriff stammt aus der Psychologie und bezieht sich vor allem auf Regelmäßigkeiten, die Menschen aus Erfahrung aufnehmen. Das Ergebnis heißt implizites Wissen und zeigt sich im Können: Ein Schüler löst eine Aufgabe sicher, kann aber nicht sagen, welcher Regel er dabei folgt.
Das Gegenstück ist explizites Lernen. Dabei eignet sich jemand eine Regel bewusst an und kann sie anschließend erklären, etwa eine Rechtschreibregel oder einen Rechenweg.
Funktionsweise des impliziten Lernens
Implizites Lernen braucht viele Begegnungen mit Beispielen, die derselben Regelmäßigkeit folgen. Mit jeder Wiederholung wächst ein Gespür dafür, was zusammenpasst, auch wenn niemand die Regel ausspricht. Bekannte Beispiele:
- Kinder sprechen in ihrer Muttersprache grammatisch richtige Sätze, lange bevor sie eine Grammatikregel kennen.
- Viele Menschen merken sofort, dass ein Satz falsch klingt, auch wenn sie den Fehler grammatisch nicht benennen können.
- Beim Radfahren hält man das Gleichgewicht, ohne die nötigen Bewegungen beschreiben zu können.
Implizites Wissen lässt sich deshalb schlecht abfragen. Die Frage nach der Regel unterschätzt leicht, was ein Schüler kann; aufschlussreicher ist, wie er Aufgaben löst und welche Fehler ihm dabei unterlaufen.
Nutzen für Unterricht und Förderung
Was Schüler beim Üben mit vielen Beispielen implizit lernen, wenden sie auch auf neue Aufgaben derselben Art an.
Lehrkräfte sehen beim Üben, an welchen Aufgaben ein Schüler hängen bleibt, und können die nächste Übung darauf abstimmen, ohne eigens einen Test anzusetzen.
Grenzen und Herausforderungen
Auch Fehler lernt man implizit. Wer einen falschen Lösungsweg oft genug ohne Rückmeldung wiederholt, festigt ihn. Übungen sollten deshalb zurückmelden, ob eine Antwort stimmt.
Eine einzelne Antwort sagt wenig über implizites Wissen aus, denn hinter einem Fehler kann Unaufmerksamkeit stecken und hinter einem Treffer Glück. Ein verlässliches Bild entsteht erst aus vielen Aufgaben.
Werden Übungen ausgewertet, entstehen Daten über Kinder, und Schule wie Eltern sollten wissen, wer diese Daten sieht und wofür sie genutzt werden.
Bausteine bei OhayoSchool
Das Lernprofil eines Schülers entsteht aus Aufgaben, die er in OhayoSchool löst, etwa im Lern-Terminal. Zu jeder Aufgabe ist hinterlegt, welche Fähigkeiten sie anspricht, und aus den Antworten auf viele dieser Aufgaben berechnet Ohayo Stimulation Tomography das Profil. OhayoSchool legt ein Lernprofil erst an, wenn die Erziehungsberechtigten eingewilligt haben.
Häufige Fragen
Ist implizites Lernen besser als explizites Lernen?
Keine der beiden Formen ist grundsätzlich überlegen. Im Unterricht ergänzen sie sich, etwa wenn die Lehrkraft eine Regel erklärt und die Schüler sie danach an vielen Aufgaben üben.
Ist implizites Lernen dasselbe wie Auswendiglernen?
Nein. Beim Auswendiglernen prägt sich jemand bewusst bestimmte Inhalte ein, zum Beispiel Vokabeln oder ein Gedicht, und kann sie später wörtlich wiedergeben. Auswendiglernen gehört damit zum expliziten Lernen.
Ist das Lernprofil ein Gehirnscan?
Nein. OhayoSchool misst keine Vorgänge im Gehirn, und das Lernprofil stellt keine Diagnose.
